Otto Lilienthal gehört zu den ganz Großen der Menschheit. Seine Leistungen haben Weltgeltung. Vergleichbar nur mit denen, die der Menschheit auf ihrem Fortschrittsweg wesentlich dazu verholfen haben, Höheres zu erreichen. Und das hat er im wörtlichen Sinn vollbracht; denn er hat den uralten Menschheitstraum vom Fliegen verwirklicht. Alle vor ihm, die zwar ernsthaft, aber mit weniger Erfolg das Flugproblem lösen wollten, konnten eben nicht fliegen. Er, Otto Lilienthal, konnte es als erster Mensch - er hat die Menschheit das Fliegen gelehrt. Seit 1891 kann sie das.

In den Schoß ist ihm diese Leistung wahrlich nicht gefallen. Mit Beharrlichkeit betrieb er seine Naturstudien, enträtselte das Geheimnis des Vogelflugs, indem er die Wirkung des gewölbten Profils entdeckte und damit den dynamischen Auftrieb.

Das Prinzip "Schwerer als Luft" fand durch ihn seine Anwendung als Flugtechnik. Das dazu ein Gerät erforderlich ist, hatte zwar schon Leonardo da Vinci erkannt und es auch beschrieben, aber nicht verwirklicht. Dieses Gerät, das welterste manntragende, das Otto Lilienthal als Fliegezeug, später als Flugzeug bezeichnete, konstruierte und baute Otto Lilienthal in seinem Wohnort Lichterfelde, der damals noch zu Brandenburg gehörte.

In seiner Maschinenfabrik, die bis 1896 in Berlin- Mitte, Köpenicker Straße 113 existierte, baute er das welterste manntragende Flugzeug in Serie, das er im In- und Ausland verkaufte. An dieser Stelle wird an dieser Stelle am 8. Mai 2006 ein Ehrenmal für Otto Lilienthal eingeweiht.

Der begabte Ingenieur hatte an der Königlich- Preußischen Gewerbeakademie mit großem Erfolg studiert. Sein dort erworbenes Wissen verband er mit seinem beachtlichen handwerklichen Können und konnte so die von ihm wissenschaftlich erworbene Theorie des Fliegens in die Praxis umsetzen: erstmals im Sommer 1891 am Windmühlenberg bei Derwitz/ Krielow, wo er die ersten 15 Meter fliegend durchmaß. Seitdem kann, wie der französische Flugpionier Ferber feststellte, die Menschheit fliegen. Und am Gollenberg in Stölln, wo Otto Lilienthal seine bis zu 250 Meter weiten Flüge bis 1896 hunderte Male wiederholte, befindet sich heute noch ein Sonderlandeplatz, der wohl älteste Flugplatz der Welt, zumal er den Namen Otto Lilienthal trägt.

(Von Dr. Joachim Grenzdörfer, Berlin-Brandenburgischer Luftfahrtclub "Otto Lilienthal" e.V.)


Historische Orte

Otto Lilienthal`s Fliegerberg in Berlin-Steglitz (Lichterfelde), Schütte-Lanz-Straße, wurde 1932 zur Lilienthal-Gedenkstätte umgestaltet. Weitere Lilienthal-Denkmale befinden sich in Anklam, bei Derwitz im Havelland und in Stölln bei Rhinow.

Am 7. Juni 1988 erhielt der Berliner Flughafen Tegel den zusätzlichen Namen "Otto Lilienthal".
Die Deutsche Luftwaffe hat einen Airbus A310 MRT Medevac nach ihm benannt.
Die Bundeswehrkaserne (Luftwaffe) im mittelfränkischen Roth ist nach Otto Lilienthal benannt.
Ein Otto Lilienthal Museum über den Flugpionier, sein Schaffen und das Fliegen kann man in seiner Geburtsstadt Anklam besuchen.

Otto Lilienthal wird durch seine Versuche nicht nur zu einem der wichtigsten Wegbereiter des Gleit-, sondern auch des Motorflugs. So werden seine grundlegenden Erkenntnisse (wie zum Beispiel die bezüglich des Auftriebs an gekrümmten Flächen) von anderen Flugpionieren (Gebrüder Wright, Gustav Weißkopf, Wilhelm Kress, Karl Jatho) übernommen und weiterentwickelt.

Patente

Von Lilienthal sind 25 Patente bekannt; nur 4 davon betrafen Flugapparate. Sein erstes Patent (angemeldet auf den Namen seines Bruders Gustav Lilienthal) bezog sich auf die Schrämmaschine. Der Großteil betraf gefahrlose Dampfkessel und Klein-Dampfmaschinen.

Literatur

Biografie: Manuela Runge, Bernd Lukasch: Erfinderleben - die Brüder Otto und Gustav Lilienthal; Berlin-Verlag, 2005; ISBN 3-8270-0536-1

Zur Erfindung des Flugzeugs und den Folgen siehe: Andreas Venzke: Pioniere des Himmels: Die Brüder Wright - Eine Biografie; Verlag Artemis und Winkler 2002; ISBN 3-53807-143-8 (darin eine umfangreiche Analyse der Lilienthalschen Pioniertaten)

Zur Maschinenfabrik "Otto Lilienthal" siehe: Otto Lilienthal Museum Anklam. Der Dampfmotor des Flugpioniers. Kulturstiftung der Länder - Patrimonia 271; Anklam, 2004; ISSN 0941-7036

Zu seinen Flugzeugen und deren Nachbau siehe: Stephan Nitsch: Vom Sprung zum Flug; Brandenburgisches Verlagshaus 1991; ISBN 3-327-01090-0; Berlin 1991

(aus: www.wikipedia.de)